Manche Dinge ändern sich nie. Oder: Benjamin.

Mathilde verdrehte die Augen. Sie war nassgeschwitzt. Ihr langes braunes Haar klebte ihr am Rücken. Ihr Atem ging stoßweise. Da stand sie nun, mit ihren 40 Jahren. Mit beiden Beinen voll im Leben. Und doch. Stand. Sie. Nun. Da. Nassgeschwitzt. Im Fitnesskurs.

Mathilde blinzelte einen Schweißtropfen weg, der sich den Weg von ihrem Pony in Richtung ihrer braunen Augen gebahnt hatte. Konzentration auf die nächste Übung. Die Blicke aller Teilnehmerinnen waren auf Tim gerichtet. Mitte 20. Sportlich. Mit einem süßen und offenen Lächeln. Er vertritt heute Ramona. „So, wir machen Kniebeugen. Alle im Kreis aufstellen und jeder zählt jetzt nacheinander von acht runter. Der Reihe nach. Alle machen mit.“

Gegiggel. Augenaufschläge in Richtung Tim. Besonders tiefe Kniebeugen, wenn Tim guckte. Gegiggel.

Mathilde verdrehte die Augen, senkte den Blick und lächelte in sich hinein: „Manche Dinge ändern sich einfach nie“, schoss es ihr durch den Kopf und da war sie auch schon zurück in der dritten Klasse. Damals. Als alle Mädchen in der Klasse in Benjamin verliebt waren. Der Beau der Grundschulklasse, der es genoss, dass sie alle auf ihn flogen. Und giggelten. Alle. Bis auf Mathilde. Sie war genervt. Verstand die Mädels nicht. Was hatten die nur mit diesem Benjamin. Völlig überbewertet. Sie war nicht hier, um einen Jungen anzuhimmeln. Das langweilte sie. Damals, wie heute.

30 Jahre später ist Benjamin ein Tim. „Außer Zeit und Ort hat sich sonst eigentlich nichts geändert und das wird es vermutlich auch nie tun“, schmunzelte Mathilde in sich hinein. „Acht“, sagte sie laut. Denn sie war jetzt dran mit dem Runterzählen der Kniebeugen.

„Manche Dinge ändern sich eben nie“, hallte es in ihrem Kopf nach – und irgendwie beruhigte sie dieses Gefühl.

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