Abends, wenn sich die Dunkelheit über den Märchenzoo gelegt hat und die einzigen Lichtquellen im Gelände die Lämpchen der Öfen und Kochstellen der Märchenstationen sind. Dann. Ja dann ist es für die Tiere an der Zeit, den Tag ausklingen zu lassen und schlafen zu gehen. Die Laufenten, die beiden Gänse und die Hühner verbringen die Nächte zum Schutz vor dem Fuchs in ihren Häusern.
Ich gehe den Weg entlang. Dem abendlichen Märchenzoo wohnt ein Zauber inne. Nach einem Tag mit vielen Gesprächen, mit lachenden Kindern und dem mahlenden Geräusch der Kaffeebohnen und dem Brummen der Kaffeemaschine ist die Hektik am Abend verflogen. Die Enten schnattern, wenn ich den Weg entlang komme. Die Gänse blicken mich an. Martin und seine Liebste. Ich rufe „Ihr Hübschen. Es ist Schlafenszeit“ und Martin und seine Frau watscheln los. Martin wirft mir einen kurzen Blick zu, der sagt „Menschin. Ich helf Dir. Ich mach das“. Und. Genau das macht der Ganter. Er gibt den Laufenten Bescheid, die daraufhin sofort und anstandslos in ihr Häuschen watscheln. Sieht Martin, dass ich die Tür schließe, gehen er und seine Holde in ihr zuhause. Ein kurzes Fauchen von Martin, ein „Vielen Dank ihr Zwei. Gute Nacht“ von mir. Ich schließe auch ihre Türe und gehe weiter zu den Hühnern.
Das ist schon ein wirklich zauberhaftes Abendritual. Sonntagabend hat mich Martin aber besonders berührt. Eine der Laufenten hatte bereits den Nachmittag in ihrem Häuschen verbracht. Sie brauchte ein bisschen Ruhe. Am Abend sah ich dann, dass sich die anderen Laufenten in den Gänsestall begeben hatten. Martins und mein Blick trafen sich. Er schnatterte die ersten Enten aus dem Haus und brachte sie zum Entenhaus. Währenddessen bat ich die anderen, rauszukommen. „Kommt raus. Ihr schlaft zuhause“. Und. Sie kamen raus. Aufgeregt schnatternd. Martin und seine Liebste kamen zurück und übernahmen. Und eine Minute später waren auch die Nachzügler im Bett.
Das hat er einfach gemacht.
Der Martin. Mit seiner Frau watschelt er ins Häuschen. Ein kurzes Fauchen, ein „Vielen, vielen Dank. Ihr seid großartig“ von mir. Dann schließe ich ihre Türe. Ich bleibe noch kurz stehen. Den Blick auf das Gänsehaus gerichtet, die noch schnatternden Laufenten im Ohr.
Der Martin.
Martin Gans.
Ich bin gans beseelt. Was für ein nettes, liebenswertes Geschöpf.
Gans beseelt. Oder: Martin.
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