Ich muss mit einem Geständnis starten.
Mit einer Liebeserklärung.
Seit meinem 14. Lebensjahr in etwa habe ich, was Pferde angeht, eine große Liebe. Eine Leidenschaft. Kaltblüter.
Diese Leidenschaft hat „Rabauke“ geweckt. Damals. 1994/95 muss es gewesen sein. Ich war mit meiner Mutter nach Düsseldorf gezogen. Im Hausflur lief unsere Nachbarin Annette immer wieder in Reitklamotten an uns vorbei. Irgendwann sprach sie mich an. In ihrem Stall sucht eine Bekannte eine Reitbeteiligung für ihre Stute. Ob ich mal mitkommen wolle. Wollte ich. Tat ich. So lernte ich Michaela und ihre beiden Pferde kennen. Die Stute gesattelt, ging es in die Halle.
War nett.
Dann erzählte Michaela von ihrem Rabauken. Ihrem zweiten Pferd. Ein Kaltblut. Jung noch. Ich sah „Rabauke“ und fragte, ob sie für ihn ebenfalls eine Reitbeteiligung suche. Tat sie. Ich fragte, ob ich ihn auch mal reiten dürfe … ich saß auf und war zuhause. Kein anderes Pferd wollte ich reiten. Nach einer halben Stunde auf dem Platz bin ich mit einer anderen Reiterin noch eine Runde ausgeritten. Was sollte passieren? „Rabauke“ und ich gehörten einfach zusammen. Und damit war meine Leidenschaft für Kaltblüter geweckt. Wie ich heute weiß.

Das alles erzähl ich ich euch .. weil …
Gestern ging es zu meinem zweiten Einzelunterricht. Meine Trainerin Jenny und ich quatschten ein bisschen und sie überlegte laut, ob ich statt Natasja dieses Mal „Milko“ nehmen wolle … und sie landete dann doch nochmal bei Natasja. Während wir aber dort standen und ich nach links blickte, erinnerte ich mich an damals in diesem Reitstall und sagte zu Jenny „Ach. Da haben früher die Kaltblüter gestanden“. „Das tun sie auch heute noch. Wenn sie nicht gerade, wie jetzt, auf der Weide sind“. Meine Augen strahlen und ich sage Jenny, wie sehr ich Kaltblüter mag. „Also doch Milko für Dich. Der ist ein Kaltblut“. Ehrlich. In diesem Augenblick hätte ich schreien können vor Freude. „Guck mal. Da in der dritten Box. Da steht Milko“. Und da stand er. Dieses schöne Kaltblut.

Schon ein paar Tage älter. Sturkopf. Das sollte ich während der Stunde noch mitbekommen, aber vorher hieß es von Jenny: „Na, dann hol ich mal raus und putz ihn, bevor Du ihn sattelst“. Ääääh.. öööh… öööhm … Ich kann´s noch. Und die Automatismen sind noch drin. Den Gummiestriegel schön am Stiefel ausklopfen. Also an den Chaps. Egal. Hufe auskratzen. Kann ich auch noch. Dann sollte ich „Milko“ satteln … „Erst das Kissen, dann die Schabracke und dann den Sattel drauf“, weist mich Jenny ein.
„Ok. Also. Äh. Guckst Du mal. Ist das richtig so?“ Es war fast richtig. Ich hab die Decken zu niedrig angesetzt. „So würdest Du auf Milkos Hintern reiten“, korrigiert Jenny lachend.
Sodalla. Alles geschafft. Ab in die Halle. Wo ist die Aufstiegshilfe? Da ist sie. Und rauf auf das tolle Kaltblut. Und in dem Augenblick, indem ich mich in den Sattel setze, feier ich mich für die Entscheidung, mir eine Vollimitatslederreithose gekauft zu haben. Was für ein Unterschied zu dieser vermaledeiten Leggins.
Ich glaub ich hab mich gar nicht soo schlechte geschlagen da oben auf „Milko“, aber ein Charaktertier ist ein Charaktertier und manchmal … faul? Lustlos? „Milko“ hat mich das ein oder andere Mal ausgetestet. Vor allem im Traben. Und er hat so manches Mal gewonnen. Nicht immer. Ich hatte durchaus auch mal das letzte Wort *hah*
Ich bin gespannt wie es nächstes Mal wird. Was er noch nicht weiß: Da will ich endlich mal galoppieren 😉
Auch wenn die Stunde so anders war als die erste: Es hat so einen verdammt großen Spaß gemacht und ich bin so beseelt. Die Pferdewelt zieht mich immer weiter in ihren Bann – und nichts anderes möchte ich.
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