Zurück im Reiterland.

Da war ich also. Freitagnachmittag, um 14:30 Uhr am Reitstall. Am Auto hab ich meine Turnschuhe gegen meine ollen Winterstiefel ausgetauscht. Ihr wisst schon: Die mit dem Absatz, wegen des Steigbügels. Meine Mutter stand schon am Stall. Ich hatte sie gefragt, ob sie mitkommen mag. Um mir quasi Händchen zu halten, indem sie einfach da ist und an der Bande steht.

Es war wie damals. Ich war völlig begeistert Pferde um mich herum zu haben, wieder in einem Reitstall zu stehen und den typischen Geruch um mich herum zu haben. Meine Mutter war angewidert. Für sie ist es mehr Gestank als Geruch und Pferde waren noch nie ihre Tiere. Aber wie damals, stand sie es tapfer durch. Für mich.

Durch den Stall getappst, auf der Suche nach Menschen, fand ich bald Jenny. Sie kümmerte sich um ihre Stute und sie war es dann, die mir meine erste Reitstunde nach über 20 Jahren gab. Sie stellte mir Natasja vor. Die braune Stute und ich würden die nächste halben Stunde miteinander verbringen.

Reiten_Natasja

„Sie ist eine kleine Zicke, aber nicht beim Reiten“, sagte Jenny und holte Natasja aus der Box. Und während wir uns alle ein wenig beschnupperten und quatschten sattelte und trenste Jenny die Stute. Und dann führte ich Natasja in die Halle. Mein Blick fiel auf die Aufstiegshilfe. Zum Glück war sie hoch – das erhöhte die Chancen, dass ich es aufs Pferd schaffe doch enorm.
Ja. Und dann war es soweit.

Nach 20 Jahren saß ich wieder auf einem Pferd.

Noch bevor ich lange über diese Tatsache nachdenken konnte, ging es auch schon los. Natasja lief los. Zügel aufnehmen. Gerade sitzen. Direkt feststellen, dass eine Leggins nix zum Reiten ist, weil es rutschig im Sattel ist. Erste Eingewöhnungsrunde im Schritt. Und noch eine. „Das sieht doch gut aus“, höre ich Jenny sagen. „Dann trab mal los.“
Öööh. Ok. Wie bekomm ich das Pferd in den Trab? Ich versuchs mal mit Schenkeldruck. Hah. Klappt. Wohooooo. Das fühlt sich anders an. Poppes hoch. Und runter. Und hoch. Und runter. Leichttraben. Verdammt ist das schnell. Verdammt ist das anstrengend. Verdammt ist das toll.

„Gerade sitzen. Du knickst links ein bisschen ein. Und die Daumen müssen nach oben zeigen, wenn Du die Zügel hälst. Du fährst kein Motorrad“, hör ich Jenny sagen. Sie hat die Ruhe weg, beobachtet mich und lässt sich auf mich ein, erklärt mir, was ich falsch mache und sagt, wie es richtig geht. Aber ohne Druck. Das ist gut. So macht es mir Spaß. Einmal Zirkel reiten. Durch die ganze Bahn wechseln. Im Trab. Irgendwie klappt das.
Reiten_Anna
Zwischendurch muss ich in den Schritt wechseln, weil mir die Puste ausgeht. Für Jenny ist das ok. Zum Glück. Dann üben wir das Halten. Äääh. Wie bring ich das Pferd nochmal zum Stehen? Jenny erklärt es mir. Mein Hintern tut auch heute noch weh. Aber ich kann es wieder. Das Pferd anhalten.

Irgenwann fragt mich Jenny ob es ok ist, wenn wir erst in der nächsten Stunde galoppieren. „Ja!“ antworte ich schnell und bin froh drüber. Ich hab mich gerade wieder ans Traben gewöhnt, da wusste ich, dass weder Natasja noch ich Spaß am Galoppieren haben werden. Ich vorallem nicht wegen meiner Leggins, die mir genau keinen Halt gegeben hat. Das wär nichts geworden.
Fünf Minuten vor Ende des Unterrichts konnte ich nicht mehr. Ich hatte keine Kraft mehr und meine Ausdauer muss auch noch irgendwo im Jahr 1997 sein. Sobald es mein Muskelkater zulässt, geh ich sie suchen.

So war das nach 20 Jahren wieder auf einem Pferd.

Der nächste Einzelunterricht ist gebucht. Heute in zwei Wochen. Danach gehts in den Gruppenunterricht – und dann (das ist mein Ziel): Ausreiten.

Bevor das alles aber soweit ist, warte ich diese Woche auf Post. Ich habe mir ein Anna-Starter-Set bestellt. Denn: Nie wieder in Leggins reiten!
Die nächste Stunde schwing ich mich in Reiterhose und in Chaps aufs Pferd. Besser ist das.
Reiten_Klamotten

Nächstes Mal wird meine Mutter übrigens nicht mehr dabei sein. Man sollte Mütter nicht über Gebühr strapazieren ;o) Dafür kommt mein Andy mit. Zusammen macht es einfach mehr Spaß.

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