Ich bin nervös.
Heute Nachmittag bin ich verabredet.
21 Jahre nachdem unsere Liebe erloschen ist.
Nach zwei Jahrzehnten steht der Termin. Heute. 14:30 Uhr. Ich habe mir gestern den ganzen Tag über den Kopf zerbrochen, was ich anziehen werde. Meinen Schuhschrank hab ich auf links gedreht. Am liebsten würde ich Sneaker tragen. Aber das geht nicht. Ich brauch was mit leichtem Absatz. „Hatte ich nicht … “ „Was ist denn mit …?“ „Die haben einen Absatz. Oh verdammt. Der ist zu hoch.“ „Was sind das für Stiefel? Hah. Perfekt!“ Also theoretisch. Praktisch sieht es scheisse aus. Es sind meine ollen Winterstiefel. Die haben einen Absatz, aber keinen hohen.
So schaut es aus. Nach 21 Jahren mache ich mir Gedanken darüber, wie ich aussehen werde. Das ist so ein Frauending. Dabei wird es meinem Gegenüber ziemlich egal sein. Aber es ist mein Ego, das da ein wenig angekratzt ist. Früher hatte ich die richtigen Klamotten zuhause. Heute erscheine ich in Leggins und in Winterstiefeln. Egal. Das ist es wirklich. Aber es macht Spaß mich darüber bekloppt zu machen.
Mein Date heute.
Ich weiß gar nicht, mit wem genau.
Aber ich weiß, dass ich um 14:30 Uhr im Reitstall sein werde.
Zu einer Stunde Einzelunterricht.
Den Termin hab ich gestern früh ausgemacht. In einem Reitstall, in dem ich vor über 20 Jahren auch schon geritten bin. Nervös bin ich, weil ich mich frage, ob ich es noch kann. Aus dem Zirkel wechseln; doppelte Schlangenlinie reiten; einfache Schlangenlinie. Verdammt, wie ging das nochmal? Wenn ich die Bahn wechsel, muss ich im leichten Trab auch das Bein wechseln. Einmal aussitzen. Oder so. Ob ich heute schon galoppieren darf? Bestimmt, oder? Ich mag es zu galoppieren. Und kann mir nicht vorstellen, dass ich das verlernt habe.
Denkt an mich. Heute. 14:30 Uhr.

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