Kaffee auf. Oder: Ihr könnt mich langsam mal.

Wir wohnen an einer Hauptverkehrsstraße. Damit habe ich kein Problem. Die Straße wurde nicht, nachdem ich in meine Wohnung gezogen bin, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gebaut. Ich komm mit der Straße klar. Die Autofahrer aber nicht. Das hat sich recht schnell herausgestellt, seitdem es bei uns vor der Tür eine Baustellenampel gibt. Es darf immer nur eine Richtung fahren. Die andere Richtung muss dann eine gute Minute warten, bis sie fahren kann.
Das ist bitter.
Wieviel Strecke in diesen 60 Sekunden zurückgelegt werden könnte.
Die vergangenen Monate konnten wir Anwohner Fallstudien betreiben. Darüber, wie persönlich Autofahrer diese Verkehrssituation nehmen.
Ich versteh das.
Die Ampel meint es auch persönlich.
Die Ampel ist in Wirklichkeit ein übellauniger Mensch namens Jupp, dem nichts größere Freude bereitet, als Autofahrer zu ärgern.
Es gibt aber ein paar Tricks, sich mit Jupp gut zu stellen. Einen verrat ich euch. Der ist kein Geheimnis. Den Trick wenden nämlich so viele Autofahrer an.
Hupen!
Ja, ehrlich!
Je lauter und länger ihr vor der roten Ampel hupt, desto schneller wird sie grün.
Anders kann ich mir den Klang der verschiedenen Hupen-Töne nicht erklären.
Tatsächlich ist das aber die harmloseste Variante der geplagten Autofahrer, ihrem Unmut Luft zu machen.
Etwas kaputt zu machen ist viel besser. Viel effektiver. Da bieten sich die geparkten Autos an. Ja. Das ist dreist von uns Anwohnern, unsere Autos auf den Parkplätzen zu parken. An der Hauptverkehrsstraße. An der Baustellenampel. Wir sind Bitches. Ich weiß. Die Schlimmsten die es gibt. Wir wollen euch damit nur ärgern.
Das müssen die Gedanken mancher Autofahrer sein, die an unseren Autos vorbei fahren. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass der Seitenspiegel am Wagen meines Freundes regelmäßig geschrottet wird. Heute früh schon wieder. Ehrlich. Ich bin sauer. Ich hab den Kaffee auf. Ihr könnt mich langsam mal. Ich steh ja auch nicht am Straßenrand und beschmeiss eure Autos mit faulen Eiern oder Steinen. Tu ich nicht. Obwohl ihr mich nervt. Mit eurer Raserei, mit eurem „Rot? Scheiss egal, ich fahr trotzdem“ mit eurem „Was interessiert mich das Auto da am Straßenrand?“
Es sollte euch interessieren.
Hört auf damit so zu verrohen und euch selbst der Nächste zu sein. Miteinander, nicht gegeneinander. Diese Fahne halte ich noch immer hoch. Aber mein Arm wird langsam lahm.

Seitenspiegel

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