Helfen können, wenn es nötig ist. Oder: Macht alle regelmäßig einen Erste-Hilfe-Kurs.

„Das ist nicht euer ernst“ rief ich, weil die Youngster wieder still sitzen blieben und schon war ich wieder aufgesprungen und schwupps mittendrin in der Übung. Zusammen mit Michael. Er war dazu gekommen. Lies mich nicht allein in und mit der Situation:

Arbeitsunfall. Hand abgetrennt. Das Opfer ist ansprechbar. „Moar. Was haben wir in den vergangenen Stunden alles gelernt?“ Ich spule einen kurzen Film vor meinem inneren Auge ab. Werde ruhiger und fange einfach an. An was müssen wir denken: Hinlegen, im Gespräch bleiben, Wunde versorgen. Füße hoch. Zudecken. Notruf absetzen. Weiter im Gespräch bleiben. Aufmunternd plappern. Zuhören und beruhigen. Hoffen, dass der Rettungswagen bald da ist… „Haben wir an alles gedacht? Irgendwas vergessen?“ meine Gedanken schwirren. Auch wenn es nur eine Trockenübung ist, fühlt es sich nicht so an.

„Alles richtig gemacht“ ist das Urteil unseres Opfers. Es ist unser Kursleiter. Er hat einen super Erste-Hilfe-Kurs an diesem Samstag in Haan auf die Beine gestellt. Mit wirklich viel Praxis. Das ist so viel besser als stumpfe und dumpfe Theorie an zwei Tagen, wie damals. 1998. Als ich den Kurs für meinen Führerschein machte.

Seit 2015 ist es anders. Da findet der Erst-Hilfe-Kurs nur noch an einem Tag statt. Er wurde inhaltlich gestrafft – und beim DRK in Haan hat er einen großen praktischen Part bekommen. Ich weiß nicht, ob das alle machen. Das Deutsche Rote Kreuz ist ja nicht die einzige Organisation, die die Kurse anbietet. Aber ich hoffe, dass andere es auch so machen. Wenn nicht: Geht euch das mal abgucken. Ernsthaft. Wir wurden mit verschiedenen Szenarien konfrontiert. Mit Onkel Heinz, der sich an die Brust packt und anfängt zu schwitzen. Mit dem Teenager, der mit dem Fuß umknickt. Es ging vom Ansprechen des Opfers, über einen Verband anlegen. Wir wissen jetzt, wie wir jemanden aus dem Auto ziehen und wie wir mit einem verunglückten Motorradfahrer mit Helm umgehen. Wir haben uns kümmern müssen. Aktiv kümmern müssen. Super. Ehrlich.

Am Wochenende habe ich den Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt. So hab ich es genannt. Vorher. Aufgefrischt. Aber machen wir uns nichts vor – ich habe einfach mal so vieles neu gelernt. Weil, na klar, vieles auch einfach neu ist nach 18 Jahren. Die Sache mit dem Defibrillator zum Beispiel.

Aber ich hatte auch wirklich kaum mehr was aufm Schirm. Jetzt aber wieder.

Wenn ich die Wahl habe, dann ist es wie in den vergangenen 18 Jahren. Dann werde ich das, was ich am Wochenende gelernt habe, nicht anwenden müssen. Nicht, weil ich nicht sofort helfen würde, sondern weil ich nicht möchte, dass es Menschen so schlecht geht, dass sie meine erste Hilfe brauchen.

Und ihr? Seid ihr fit in Sachen Erste Hilfe?20160815_072605

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